In meinen Papierarbeiten interessiere ich mich für Transformationen. The Aquarelle aus den letzten Jahren zeigen mich selbst unter dem Einfluss den Pflanzenschatten. In den Melusine Bildern erzähle ich die Geschichte einer Frau, die sich in eine Wasserwesen verwandelt. In den Bildern nach schematischen Ritualen, zeige ich die transformative Kraft mit der koreanischen Schamanen andere Wesenheiten inkorporieren. Ich suche nach Situationen, in denen der Körper in Einklang ist mit dem, was um ihn herum ist.

Schatten – Abruzzen, 2021
Serie von Aquarellen auf Chinapapier, 69×47 cm


Den Sommer 2021 habe ich im Apennin verbracht, wo ich in einer Zusammenarbeit mit Antony Hequet und Rewilding Apennines war. Der Ort, in dem ich lebte, Pettorano sul Gizio, ist in einem Naturschutzreservat angesiedelt. Die Wege von Menschen und Wildtieren, die in den Wald führen, beginnen direkt am Ort. Zu Anfang meiner diesjährigen Schattenerkundungen habe ich noch Ähnlichkeiten zum Vorjahr entdeckt, was sich änderte, als ich anfing die Schatten im Wald zu betrachten. Das Licht, das durch die Blätterkrone bricht, ist grün und streut kreisförmige Punkte über mich. Es war immer wieder faszinierend, wie sich die Punkte mit meinen Körperformen wie Brust, Schulter, Wange verbunden haben.

Schatten – Umbrien, 2020
Serie von Aquarellen auf Chinapapier, 69×47 cm


In Umbrien entdeckte ich neue Pflanzen, deren Schatten von der starken italienischen Sonne auf mein Gesicht geworfen werden: Olivenblätter, Walnuß, Weinblätter, Gräser…

Erneut lese ich das Buch “ Die Wurzeln der Welt. Eine Philosophie der Pflanzen“ von Emanuele Coccia. Und empfinde in den Aquarellen nach, was Coccia schreibt:

S: 41: Das Klima ist nicht einfach die Gesamtheit der Gase, die die Erdkugel umgeben. Es ist das Wesen des kosmischen Fließens, das grundlegenste Gesicht unserer Welt. Dieses Gesicht offenbart sich als nie endende Mischung aller Dinge, des Gegenwärtigen, des Vergangenen und des Zukünftigen.


Schatten – Kuhlhausen, 2019
Serie von Aquarellen auf Chinapapier, verschiedene Maße


Im vierten Jahr der sommerlichen Erkundungen vom Effekt von Pflanzenschatten auf meinem Gesicht, sind einige größere Formate entstanden, die auch den Oberkörper miteinbeziehen.

Zusätzlich zu den Schatten sind Aquarelle entstanden, die ein Folgeergebnis meines Videos „Do Flowers have Culture?“ sind. Für das Video habe ich mein Gesicht bemalt, nachdem ich mich mit bestimmten Blumen beschäftigt habe.

Schatten – Kuhlhausen , 2015/16/18
3 Serien von Aquarelle und Zeichnungen auf Papier,
verschiedene Maße

Schatten auf meinem Gesicht haben mich im Jahr 2015 angefangen zu interessieren. Es war der Sommer, in dem mein Vater im Sterben lag. Ich war eine Woche auf dem Land und habe die meiste Zeit im Garten verbracht und die Pflanzen betrachtet, die zu dem Zeitpunkt geblüht haben oder Früchte hatten.

Es begann eine Auseinandersetzung mit mir, meinem Gesicht, das meinem Vater ähnelt, meinem Körper, der älter wird, und den Schatten von Pflanzen, die ich mit meinem Gesicht und der Smartphonekamera „eingefangen“ habe. Bescheiden habe ich die Photos mit Buntstift in Zeichnungen übersetzt.

2016, mein Vater war ein Jahr tot, ich war wieder einige Tage im Sommer auf dem Land und im Garten, hat mich das Thema erneut gepackt. Es war gar nicht als Reihe geplant, sondern das Interesse war ganz natürlich, weil ich ja bei Sonnenschein ständig von Schatten getroffen wurde! In diesem Jahr sind die Bleistiftzeichungen entstanden. Bewußt habe ich auf Farbe verzichtet und mich nur auf die Schattenverläufe konzentriert.

2018, am selben Ort, aber in einem anderen Monat und somit mit anderen Blüten und Früchten im Garten, kam das Thema wieder. In diesem Jahr habe ich die Schatten des Fruchtstandes von Zierlauch verwendet, der sich aus einem Zentrum heraus über meine Gesicht und teilweise über Schulter und Brust verteilt.


Melusine für Gyre Project, 2017
Serie von Aquarellen auf Papier, 30 x 30 cm


Während meiner Kooperation mit Antony Hequet innerhalb unseres Gyre Projects und der Beschäftigung mit dem Thema der Wasser-Nymphe habe ich die Figur der Nymphe aus meiner Perspektive erforscht.

In der alt-französischen Geschichte „Histoire de Lusignan“ von Jean d´Arras, entstanden 1387-1394, heiratet die Wasserfrau Melusine Raimond de Lusignan unter der Bedingung, dass an einem Tag der Woche sie für sich alleine ist. An diesem Tag badet sie und verwandelt sich unter dem Einfluss „ihres“ Wasserelementes in einen Drachen oder ein Schlangenwesen (französisch serpente).

Raimond läßt diese unbekannte Seite seiner Frau keine Ruhe und er bricht den Eid, in dem er ihr durch ein Loch, das er mit seinem Schwert in die Tür bohrt (!), zusieht, wie sie sich verwandelt. Voller Entsetzen flieht er, aber Melusine nimmt diese Verletzung ihrer Intimsphäre zum Anlass ihren Mann zu verlassen.

Sie stürzt sich als Drache von der Brüstung der Burg.

In meinen Aquarellen interessiert mich zuerst der Moment der Verwandlung in dem Melusine vom Wasser berührt wird. Ihre Haut verfärbt sich von rot über orange zu grün! Und ihre Glieder verändern ihre Form. Zu Beginn meiner Vorstellung hatte Melusine noch Froschcharakter, später erhielt sie Echsenbeine und Flügel, sowie einen Fischschwanz.

Als ihre Verwandlung abgeschlossen ist, lasse ich sie ins Wasser, wo sie sich schwerelos bewegt…sie ist in ihrem Element.


Schamanisches Ritual – Seele und Tanz, 2016
Serie von Aquarellen auf Papier, 42 x 59,4 cm


Während meines Aufenthaltes in Korea 2015, kurz nach dem Tod meines Vaters, hatte ich das Privileg an einem schamanischen Ritual für einen verstorbenen Tänzer teilnehmen zu dürfen. Das Ritual fand außerhalb von Seoul statt, begann am Morgen und dauerte 10 Stunden. Es beinhaltete verschiedene Abschnitte.

In diesem vorletzten Ritualabschnitt geht der von der Schamanin inkorporierte Verstorbene endgültig in das Totenreich. Dabei bricht er mit einem Messer und dem Körpergewicht durch eine lange weiße Stoffbahn, die von assistierenden Schamanen gehalten wird. Durch das Zerschneiden dieser Lebensbrücke wird der Abbruch der Verbindung von Lebenden und Toten symbolisiert.

Nach meiner Rückkehr habe ich nach meinen Photodokumenten für einige Ritualabschnitte Aquarelle gemalt. Ich war erneut fasziniert von der Schönheit und dem theatralischen Setting des Rituals.

Schamanisches Ritual – Totenabholer, 2016
Serie von Aquarellen auf Papier, 24 x 32 cm


In diesem Ritualabschnitt, der außerhalb des Schreins stattgefunden hat, zeigt sich der Schamane als Totenabholer. Die Totenabholer sind wilde und gierige Wesen, die aus dem Jenseits entsendet werden, um die Seele auf ihrem Weg dorthin zu begleiten. Im Ritual kommt der Totenabholer an, setzt sich nieder, stopft unkontrolliert Essen in sich, das er gleich wieder hinter sich wirft, er zündet sich mehrere Zigaretten an und nach dem ektatischen Tanz fällt er um. Erst nach Verhandlungen über die Reiseverpflegung scheint er sich zu beruhigen.


Reisen – Die Begegnung mit dem Hirsch, 2014
Bleistift, Buntstift, Aquarell auf Papier, 42 x 59,4 cm

Reisen, 2015
Bleistift, Buntstift, Aquarell auf Papier, 42 x 59,4 cm