In dieser Werkgruppe seit 2017 modelliere ich teilweise frei und baue die Skulptur teilweise mit Hilfe von Abgussformen. In der phantastischen Skulptur „Die letzte Harpyie“ kommt diese Technik zur Vollendung.
Anhand der Transformation innerhalb der Figuren, denen entweder etwas hinzugefügt wird (Dämon, Sterne, Organe) oder denen etwas weggenommen wurde (Federn), erzähle ich von Prozessen und Beziehungen.
Die letzte Harpyie, 2025-2026
Papiermaché, Federn, Holz, Größe variabel
Die Harpyie ist ein mythisches Wesen, Teil Vogel, Teil (weiblicher) Mensch, das aus dem antiken Griechenland stammt. Sie wurde als personifizierter Sturmwind in zwei Formen angesehen, Aello, Sturmschwalbe, und Okypete, Schwalbenflügel. Später wurden sie den Erinnyen (Rachegöttinnen) gleichgesetzt und wurden hässlich.
Es gibt diese hybriden Wesen in vielen Kulturen und Zeiten: Ereshkigal aus der sumerischen Mythologie, repräsentiert die Autorität des Todes. Kinnara, in männlicher und weiblicher Form, als Paar niemals zu trennen, sind Wesen aus der Hinduistischen und buddhistischen Mythologie. Gamayun, ein prophetischer Vogel mit Frauenkopf, stammt aus der russischen Folklore. Und schließlich die Schwanenjungfrauen aus Nordeuropa, die in vielen Sagen auftauchen.
Wie ist es, heute so ein Wesen zu schaffen? Wie stellt sich die Harpyie heute dar?
„Die letzte Harpyie“ steht fest auf kräftigen Vogelfüssen mit Krallen. Der erhobene Arm, breitet sich am Unterarm in Schwungfedern aus. Der andere Arm besitzt keine Schwungfedern mehr, eine letzte hängt noch am Arm. Die rechte Hand greift nach einer der ausgebreiteten Federn. Die vorgewölbtem Augen des Kopfes schauen in die Höhlung der gespreizten Federn. Ein leichtes Erstaunen lässt sich auf dem Gesicht erkennen.
Um die Harpyie herum liegen echte Schwanenfedern verstreut. Sie bilden 2 Halbkreise um das Wesen und stammen von realen Vögeln. Wie eine Brücke zwischen der Welt des Betrachters und der Welt der Imagination.
Sack Sterne, 2020
Sackleinen, Stoff, Metall, 117 x 84 x 72 cm
In meinem Leben als Städterin spielt der Sternenhimmel kaum eine Rolle. Die nächtlichen Lichter der Stadt überstrahlen die Sterne und auch der Mond ist meist hinter den Gebäuden verborgen. Deshalb ist es schwierig eine Beziehung zum Universum aufrechtzuerhalten. Das, was früher ganz natürlich war, ist heute zu etwas Außergewöhnlichem geworden.
Sack Sterne – eine überlebensgroße Figur hockt am Boden. Der Rumpf zeigt sich als einfacher, nach oben offener Sack. Das Innere ist mit dunkelblauem Stoff ausgekleidet, der mit einem Muster aus Sternen und Galaxien bedruckt ist.
An seinem Rand sind vorne und seitlich die langen Beine und Arme angenäht. Sie münden in großen Füßen und Händen, die flach auf dem Boden aufliegen. Der große Kopf ist leicht nach vorne geneigt, die Augen blicken nach unten in den offenen Sack.
Empfindliche Gegenseitigkeit, 2019, Sackleinen, Stoff, Metall, Größe variabel
Zwei Figuren – übereinander, eine dritte Figur sitzt am Rand. Die Figuren sind kindergroß.
Die Figuren sind in ihrer Körpermitte hohl. Durch die Hohlräume der Figuren reicht eine lange Kette aus leuchtend roten Beuteln, die an Organe erinnern. Die Kette reicht von der Decke bis auf den Boden und quillt unter der am Boden liegenden Figur hervor.
Ein Licht fällt auf die Figurengruppe und wirft den Schatten der Organe an die Wand. Der Schatten berührt die am Rand sitzende Figur, die Hohlformen der Organkette setzt sich im Körper fort.
Puppen gehören zum Inventar früher Zaubermittel. Sie sind als Wiedergänger von Mensch und Tier die unheimlichen Gäste dunkler Interieurs. Die Furcht, dass sie sich beleben und uns Böses antun könnten, zeugt bis heute von den tief verinnerlichten Restbeständen eines ehemals ungebrochenen, magischen Weltverhältnisses.
EUGEN BLUME, VOM UNHEIL DES INWENDIGEN WARTENS IN DEN FIGUREN VON NADINE RENNERT, 2008, DEM STAUB EIN GEGENGEWICHT, VERLAG MODERNE KUNST
Frau, 2017-18
Papiermaché, Reispapier, Wellpappe,
165 x 57 x 29 cm
Eine Frauenbüste, die von einem Mantel umhüllt ist, der die Vordersseite freilässt. Der Kopf der Frau ist leicht geneigt, die Augen geschlossen. Die Haare sind zu zwei Zöpfen geflochten. Die Zöpfe hängen durch die Schulter in den dunklen Innenraum, den die Büste formt. Die Haltung ihrer Arme mit den ineinander gelegten Händen schliessen die Form.
Im Innenraum der Büste befindet sich ein Gesicht. Im Gegensatz zum in sich gekehrten Gesicht der Frau, ist dieses Gesicht voller Expressivität. Die Augen sind aufgerissen, die Nasenflügel gebläht, der Mund offen, die Zähne gebleckt und die Zunge herausgestreckt. Den Kopf umgeben Stacheln und die Zöpfe der Frau münden wie Hörner im wilden Kopf.






















