In der Werkgruppe „Erscheinung“ modelliere ich teilweise frei und baue die Skulptur teilweise mit Hilfe von Abgußformen. In der Skulptur „Die letzte Harpyie“ kommt diese Technik zur Vollendung. Anhand der Transformation innerhalb der Figuren, denen entweder etwas hinzugefügt wird (Dämon, Sterne, Organe) oder denen etwas weggenommen wird (Federn), erzähle ich von Prozessen und Beziehungen.

Die letzte Harpyie, 2025-2026
Papiermaché, Federn, Holz, Größe variabel, Figur: 120x60x57 cm

Die Harpyie ist ein mythisches Wesen, Teil Vogel, Teil (weiblicher) Mensch, das aus dem antiken Griechenland stammt. Sie wurden als personifizierte Sturmwinde angesehen: Aello, Sturmschwalbe, und Okypete, Schwalbenflügel. Später wurden sie den Erinnyen (Rachegöttinnen) gleichgesetzt.

Es gibt in vielen Kulturen der Welt Vogel-Wesen. Um nur einige zu nennen: Ereshkigal aus der sumerischen Mythologie, repräsentiert die Autorität des Todes. Kinnara, in männlicher und weiblicher Form, als Paar niemals zu trennen, sind Wesen aus der hinduistischen und buddhistischen Mythologie. Gamayun, ein prophetischer Vogel mit Frauenkopf, stammt aus der russischen Folklore. Die Schwanenjungfrauen, die zum Bad ihr Federkleid ablegen, stammen aus Nordeuropa und tauchen in verschiedenen Sagen auf.

Wunderkammer, 2024-2025
4 Teile, verschiedene Materialien

Vier verschiedene Objekte repräsentieren 4 Elemente: Erde, Feuer, Wasser, Luft.

Ein Modell zeigt eine katastrophenartige Situation mit einem Papierhaus und einem Erdrutsch. Im Hintergrund befindet sich eine bedruckte Leinwand, die Waldmotive aus verschiedenen romantischen Gemälden kombiniert.

Ein alter Instrumentenkoffer trägt eine organische Struktur im Inneren, die aus Stoff mit endlosem Feuermuster gestaltet ist. An der Wand hängt ein dunkler Rahmen, der ein umgedrehtes Sturmbild trägt, das aus dem Rahmen kippt. Das vierte Objekt ist versteckt hinter dem Koffer auf einem kleinen Podest. Unter einem Glassturz steht ein winziges Fläschchen. Im Fläschchen habe ich eine meiner Tränen konserviert. Sie ist am Boden getrocknet und nur über ein Detailfoto genau zu sehen.

Diese für mich ungewöhnliche Arbeit, die über 2 Jahre entstanden ist, zeigt meine persönliche Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass ich mich emotional mit den Katastrophen beschäftigen muss, die die klimatischen Veränderungen auf der Erde mit sich bringen. Ich schreibe diesen Text im Sommer 2026. Den ganzen Sommer haben weltweit Feuer viele Wälder niedergebrannt. Gestern hat in Nepal ein extremer Gletscherrutsch stattgefunden. Die Bilder der Verwüstung lassen mich nicht los.

Die Träne, die vertrocknet ist und mein individuelles Kristallmuster zeigt, steht für all das Leid, das in der Folge der Klimaveränderung schon passiert ist bzw. noch passieren wird.

Sack Sterne, 2020
Sackleinen, Stoff, Metall, 117 x 84 x 72 cm


In meinem Leben als Städterin spielt der Sternenhimmel kaum eine Rolle. Die nächtlichen Lichter der Stadt überstrahlen die Sterne und auch der Mond ist meist hinter den Gebäuden verborgen. Deshalb ist es schwierig eine Beziehung zum Universum aufrechtzuerhalten. Das, was früher ganz natürlich war, ist heute zu etwas Außergewöhnlichem geworden.

Sack Sterne – eine überlebensgroße Figur hockt am Boden. Der Rumpf zeigt sich als einfacher, nach oben offener Sack. Das Innere ist mit dunkelblauem Stoff ausgekleidet, der mit einem Muster aus Sternen und Galaxien bedruckt ist.

An seinem Rand sind vorne und seitlich die langen Beine und Arme angenäht. Sie münden in großen Füßen und Händen, die flach auf dem Boden aufliegen. Der große Kopf ist leicht nach vorne geneigt, die Augen blicken nach unten in den offenen Sack.

Empfindliche Gegenseitigkeit, 2019, Sackleinen, Stoff, Metall, Größe variabel

Zwei Figuren – übereinander, eine dritte Figur sitzt am Rand. Die Figuren sind kindergroß.

Die Figuren sind in ihrer Körpermitte hohl. Durch die Hohlräume der Figuren reicht eine lange Kette aus leuchtend roten Beuteln, die an Organe erinnern. Die Kette reicht von der Decke bis auf den Boden und quillt unter der am Boden liegenden Figur hervor.

Ein Licht fällt auf die Figurengruppe und wirft den Schatten der Organe an die Wand. Der Schatten berührt die am Rand sitzende Figur, die Hohlformen der Organkette setzt sich im Körper fort.

Puppen gehören zum Inventar früher Zaubermittel. Sie sind als Wiedergänger von Mensch und Tier die unheimlichen Gäste dunkler Interieurs. Die Furcht, dass sie sich beleben und uns Böses antun könnten, zeugt bis heute von den tief verinnerlichten Restbeständen eines ehemals ungebrochenen, magischen Weltverhältnisses.

EUGEN BLUME, VOM UNHEIL DES INWENDIGEN WARTENS IN DEN FIGUREN VON NADINE RENNERT, 2008, DEM STAUB EIN GEGENGEWICHT, VERLAG MODERNE KUNST

Frau, 2017-18
Papiermaché, Reispapier, Wellpappe,
165 x 57 x 29 cm

Eine Frauenbüste, die von einem Mantel umhüllt ist, der die Vordersseite freilässt. Der Kopf der Frau ist leicht geneigt, die Augen geschlossen. Die Haare sind zu zwei Zöpfen geflochten. Die Zöpfe hängen durch die Schulter in den dunklen Innenraum, den die Büste formt. Die Haltung ihrer Arme mit den ineinander gelegten Händen schliessen die Form.

Im Innenraum der Büste befindet sich ein Gesicht. Im Gegensatz zum in sich gekehrten Gesicht der Frau, ist dieses Gesicht voller Expressivität. Die Augen sind aufgerissen, die Nasenflügel gebläht, der Mund offen, die Zähne gebleckt und die Zunge herausgestreckt. Den Kopf umgeben Stacheln und die Zöpfe der Frau münden wie Hörner im wilden Kopf.